Die Gründung des Kartäuserordens durch Bruno von Köln
Das Mönchtum gehört zu den erfolgreichen Entwicklungen des Mittelalters. Die Idee eines gottesfürchtigen Lebens in der Gemeinschaft hatte im 6. Jahrhundert mit den Regeln des heiligen Benedikt eine Form erhalten, die sich über ganz Europa ausbreitete. Klöster bildeten im Früh- und Hochmittelalter wichtige Verwaltungs- und Bildungszentren, die im Machtgefüge Europas eine wichtige Rolle spielten. Die Organisations- und Lebensformen in den Klöstern waren einem ständigen Wandel unterworfen. Insbesondere waren immer wieder Reformen notwendig, um Tendenzen der Verweltlichung zu korrigieren.
Im 11. Jahrhundert wuchs eine eremitische Bewegung heran, die den Rückzug in die Einsamkeit als eine Möglichkeit postulierte, um sich den Zwängen der weltlichen Herrschaft und Betriebsamkeit zu entziehen. Auch der Rückzug des Heiligen Bruno in die Einsamkeit im Bergland bei Grenoble kann als Teil dieser Bewegung verstanden werden. Er gründete 1084 im Bergtal Chartreuse bei Grenoble eine streng organisierte Lebensgemeinschaft, in der die Vorzüge des Einsiedlerlebens in Übereinstimmung gebracht wurden mit dem klösterlichen Ideal eines gemeinsamen Lebens im Dienste Gottes.
Der heilige Bruno, geboren um 1030 in Köln, hatte zur Zeit seiner Ordensgründung bereits eine erfolgreiche Karriere durchlebt. Nach Studien der Theologie und der Philosophie in Köln und Reims wurde er 1056 zum Leiter der Domschule in Reims berufen, gehörte also zur gebildeten Oberschicht der Kirchenhierarchie. Nach Auseinandersetzungen mit weltlich gesinnten Kräften verliess Bruno seinen Posten und trat 1080 ins Kloster Molesme ein. Vier Jahre später erlaubte ihm der Abt, sich aus dem Kloster zurückzuziehen und eine Einsiedelei zu gründen. Weitere Kollegen folgten ihm und die Einsiedelei wurde einige Zeit später mit Unterstützung von Bischof Hugo von Grenoble ins abgeschiedene Gebirgstal Chartreuse verschoben. Die Gründung erwies sich als erfolgreich. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich aus der Lebensgemeinschaft weniger Männer ein Orden mit Niederlassungen in ganz Europa. Bruno musste seine Klostergründung bald wieder verlassen. Er wurde 1090 von Papst Urban II, einem seiner ehemaligen Schüler, als Berater nach Rom berufen. Schon bald zog sich Bruno jedoch wieder aus Rom zurück und gründete in La Torre in Kalabrien eine weitere Kartause. Er starb am 6. Oktober 1101. Papst Leo X. sprach ihn 1514 heilig.
Im Mittelalter breitete sich der Orden über ganz Europa aus. 1531, zur Zeit seiner grössten Ausdehnung, zählte er 195 KIöster. Diese Zahl wurde zuerst durch die Reformation und dann im 18. Jahrhundert durch die Klosteraufhebungen von Joseph II. im Habsburgerreich, durch die französische Revolution und den darauf folgenden Liberalismus stark dezimiert. Heute gibt es noch rund zwei Dutzend Ordenshäuser, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, in Südamerika oder in Korea.