Kräuter und Heilpflanzengarten
Das Kultivieren von Heilkräutern gehört traditionellerweise zu den Tätigkeiten der Mönche. Bei den Kartäusern pflegte jeder Mönche vor seiner Zelle einen kleinen Garten, dessen Bepflanzung ganz seinen Neigungen überlassen war. In einem der Zellengärten ist nach dem Schema des St. Galler Klosterplans eine Rekonstruktion eines mittelalterlichen Kräutergartens angelegt worden. Darin wachsen alte Heilkräuter, wie sie bereits vom Reichenauer Mönche Walahfried Strabo beschrieben wurden. Diese Kräuter werden auch heute noch genutzt, zwar nicht mehr als Heilkräuter im Krankenzimmer, dafür aber als Küchenkräuter unter anderem im Restaurant der Kartause Ittingen.
Verwendung von Kräutern
Im Heil-, Küchen-, und Kräutergarten der Kartause Ittingen werden heute ca. 200 verschiedene Kräuter ausgepflanzt und herangezogen. Als Topfkräuter stehen sie im Klosterladen zum Verkauf. In unserer Küche sowie in der Käserei und der Metzgerei werden ca. 100 kg frische Kräuter im Jahr als Zutaten für die verschiedensten Gerichte, Käse und Wurstwaren verarbeitet. Im Klosterladen finden Sie vom Frühjahr bis zum Herbst eine grosse Auswahl an Topfkräutern. Eine Pflanzenliste liegt im Klosterladen auf. Im Klosterladen präsentieren wir ihnen auch ein sich ständig erweiterndes und attraktives Sortiment an veredelten Produkten wie Kräuteressig, Kräuterölen, Duftsäckchen und verschiedenen Tees.
Als Vorlage zur Gestaltung des Heilpflanzengartens diente der Rost des heiligen Laurentius, des Schutzheiligen der Kartause. Die Auswahl der ca. 50 Heilpflanzen wurde auch auf dem Hintergrund der Kapitulare de Villis von Karl dem Grossen aus dem Jahr 812 und der Gespräche mit Jean Marie Hollenstein (einem Mönch aus der Kartause Pleterje in Slowenien) getroffen. Von ihm erfuhren wir, dass die Kartäusermönche sich nicht primär manuell mit den Pflanzen beschäftigten. Ihre Gärten dienten der Steigerung der Spiritualität. Hierzu beschäftigten sie sich auch mit psychedelischen Pflanzen. Diese hatten in der christlichen Religion den Status der Hexenpflanzen und wurden dem Teufel zugeordnet. Im ersten noch bestehenden Plan eines Heilpflanzengartens (aus dem Kloster St.Gallen), ist keine dieser Pflanzen zu finden, da sie in einer körper- und lustfeindlichen Kirche keinen Platz hatten. Das Thymianbeet diente dazu, Pflanzen auf eine besondere Art zu erleben: Bei Sonnenschein duftet Thymian stark und verströmt intensiv ätherisches Öl (Geist der Pflanze). Die Mönche legten sich auf den Pflanzenteppich und atmeten den Duft tief ein. Die Platten im Beet sind in Form eines Kreuzes verlegt.