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Ein Kohlemeiler im Ittinger Wald - ein altes Handwerk

Öffentliche Entzündung des 15. Kohlemeilers im Ittinger Wald am Dienstag, 5. Juni 2018, 18.30 Uhr

Ein Kohlemeiler im Ittinger Wald

2018 wird bereits zum 15. Mal ein Kohlemeiler im Ittinger Wald entzündet werden. Unser Team vom Heim und Werkbetrieb ist bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt. Am  Dienstag, 5. Juni 2018 wird er "angefahren" werden.  Vom Parkplatz der Kartause Ittingen ist der Köhlerplatz zu Fuss in knapp zehn Minuten zu erreichen. 
Die Holzkohle aus dem Ittinger Wald ist im Klosterladen der Kartause Ittingen erhältlich.

Die Geschichte des Köhlerhandwerks

Seit Urzeiten wurde Holzkohle verwendet für die Gewinnung von Metallen. Da Holzkohle fast vollständig aus chemisch reinem Kohlenstoff besteht, erzeugt sie beim Verbrennen eine grössere Hitze als Holz. Diese Hitze brauchte man in früheren Zeiten, wollte man mit den damaligen einfachen Schmelzöfen die notwendige Hitze erzeugen.
Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert bildete Holzkohle die Voraussetzung für die Gewinnung von Erzen verschiedener Art. Daneben verwendeten die Schmiede grobe Holzkohle für ihre Essen, feinere Holzkohle brauchten die Nagelschmiede, und im Laufe der Zeit wurde sie auch in privaten Haushalten geschätzt für den Betrieb von Bügeleisen oder zum Erhitzen von Wasser. Noch heute arbeiten Gold- und Kupferschmiede mit Holzkohle. 
In allen grossen Waldgebieten, sowohl im Jura wie in den Voralpen und Alpen wurde früher das anfallende Holz, das nur mühsam abtransportiert werden konnte, direkt im Wald zu Holzkohle verarbeitet. Die Köhler lebten oft unvorstellbar einfach in abgeschie­denen Wäldern und kamen viele Wochen lang kaum mit einem Menschen in Kontakt. Kein Wunder also, dass sich manche dieser Köhler zu regelrechten Sonderlingen entwickelten. 
Auf alten und noch gebräuchlichen Landkarten weisen in vielen Gemeinden Flurnamen wie Cholgrueb, Cholplatz, Cholholz, Choltobel oder Pächloch auf das schwarze Handwerk hin. Cholgrueb und Pächloch deuten an, dass Holz nicht nur in Meilern, sondern auch in Gruben verkohlt wurde. Zur Holzkohlenherstellung braucht es Wasser, deshalb wurden die Meiler oder Gruben immer in der Nähe von Bachläufen angesiedelt.

Auch in Ittingen wurde Holzkohle gebrannt. Ganz in der Nähe der ehemaligen Klosteranlage findet sich der Flurname Kohlhütten. Im amtlichen Vermessungswerk der 1980er Jahre noch eingezeichnet, ist diese Flurbezeichnung heute aber verschwunden.
Das allmähliche Aus für die Holzköhlerei begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle die Holzkohle langsam ersetzte und später auch Gas und Elektrizität an Bedeutung gewannen. Der zweite Weltkrieg löste in der Schweiz nochmals eine starke Nachfrage nach ein­heimischer Holzkohle aus. 1944 sollen 14 000 Motorfahrzeuge mit Holz oder Holzkohle angetrieben worden sein. 
Heute rauchen in der Schweiz Kohlemeiler noch im Entlebuch sowie im Freilichtmuseum Ballenberg regelmässig.
Das Wort Meiler geht auf das lateinische Zahlwort mille, also tausend zurück. Daraus entwickelte sich das Lehnwort Meiler, was etwa „grosse Stückzahl“, in unserem Falle von aufgeschichtetem Holz, bedeuten kann.

Meileraufbau

Der aufgeschichtete Meiler hier im Ittinger Wald besteht aus etwa 50 Ster bester Buchenholz-Spälten.
Zum Köhlern sucht man sich einen windgeschützten, ebenen Platz mit Wasser in der Nähe. Der Wind kann zum grossen Spielverderber werden, und Wasser braucht der Köhler immer.
Der Rost am Boden sorgt für die nötige Luftzufuhr. In der Mitte bilden drei bis vier miteinander verbundene Stangen oder auch speziell angeordnete Spälten den Feuerschacht, in der Fachsprache Füllihuus oder Quandelschacht genannt.
Das Aufschichten der Meterspälten erfolgt mit grösster Sorgfalt und Präzision, möglichst kompakt, damit das Holz gleichmässig verkohlt. Die Spälten werden rund um das Füllihuus aufgestellt, und ent­sprechend der beabsichtigten Grösse ergeben sich der Durchmesser und die Höhe des Meilers.
Die unebenen Stellen an der Oberfläche werden sorgfältig mit Kleinholz ausgefüllt. Eine glatte, möglichst kompakte Oberfläche erleichtert das Abdecken des Meilers. Zuerst kommt eine Schicht Tannenreisig, Laub oder Gras direkt auf das Holz zu liegen. Diese Schicht trennt das Holz vom eigentlichen Mantel, der aus Löschi, das ist Erde gemischt mit Holzkohlenabfall von früheren Meilern, besteht. 
Dieser Mantel muss feuerfest, weitgehend luftdicht, verformbar und wasserdampfdurchlässig sein. Die feuchte Löschi aufzubringen ist schwerste Handarbeit. Rundherum verhindern über dem Löschi-Mantel angebrachte zusätzliche Rundholzscheiter das Abschwemmen und Abrieseln der Löschi und erleichtern dem Köhler zudem die Kontrolle des Meilers.

Holzverkohlung

Der Meiler steht und kann in Betrieb genommen werden. Das benötigt wieder einige Vorarbeiten. Es braucht dazu brennende Holzklötzchen, fliessendes Wasser, zusätzliches Löschi-Material, eine Leiter, Schaufeln, Beleuchtung und nicht zuletzt eine Schlaf­möglichkeit für den Köhler. Er wird sich so komfortabel einrichten wie das schwarze Handwerk dies zulässt. Für ihn beginnt mit dem Anfahren des Kohlemeilers ein 24-Stunden-Betrieb für etwa 12 Tage. Alle zwei bis drei Stunden muss am Meiler gearbeitet werden.

Wie die Holzverkohlung funktioniert

Durch beschränkte Luftzufuhr entweicht bei Temperaturen um den Siedepunkt zuerst Wasserdampf aus dem Meiler. Bei steigender Hitze beginnt die Zersetzung des Holzes. Wasserstoff und Sauerstoff werden ausgetrieben. Auch der Kohlenstoff, obwohl beständiger, wird zum Teil zersetzt und liefert gas- und dampfförmige Verbindungen, woraus durch Abkühlung Teer und Holzessig gewonnen werden kann. Bei dieser sogenannten Trockendestillation entweicht auch ein Teil des Kohlenstoffes in flüchtiger Form. Die verbleibenden Zellstoffe werden langsam ausgebrannt und in Kohle überführt. Im Innern des Meilers herrschen Temperaturen von 300 bis 600 Grad Celsius. 
Der Köhler muss in der Folge ständig die Luftzufuhr dosieren. Dazu dienen die Luftlöcher im Bodenrost. Damit Wasserdampf und Rauch entweichen können und der Meiler nicht explodiert, werden Zug­löcher in den Mantel gestochen, schaufelstieldick, kranzförmig angeordnet, oben beginnend. Durch diese Löcher entweicht weisser, wasserdampfreicher Rauch. Wird der Rauch blau oder farblos, deutet dies auf eine sauerstoffreiche Verbrennung hin und zeigt an, dass die Verkohlung in dieser Zone abgeschlossen ist. Das Loch muss deshalb verschlossen werden. Ein bis zwei Handbreit weiter unten werden dann neue Zuglöcher gestossen. Dieser Prozess wird fortgesetzt, bis man nach zirka 12 Tagen zuunterst angelangt ist.

Nach dieser Zeit sackt der Meiler auf die Hälfte seines ursprünglichen Volumens zusammen. Nach Abschluss der Verkohlung wird durch das Verschliessen aller Löcher die Glut zum Ersticken gebracht. Während zwei bis drei Tagen muss der Meiler weiter mit Wasser gekühlt und der Mantel luftdicht gehalten werden.
Dann kommt der grosse Augenblick. Mit Karst und Rechen wird die Kohle ausgezogen, auf einen freien Platz gebracht, allenfalls mit Wasser geduscht und ausgekühlt. Eine staubige, aber dankbare Arbeit ist schliesslich das Abfüllen der Kohle in Papiersäcke. Unsere qualitativ hochwertige Holzkohle aus Buchenholz eignet sich vor allem zum Grillieren im Cheminée oder auf dem Gartengrill.



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