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Gästebuch der Klausengäste

Das Gästebuch bietet den Gästen die Möglichkeit, über ihre Arbeit, Erfahrungen und Eindrücke während des Aufenthalts in der Kartause Ittingen zu berichten.

Die Stiftung Kartause Ittingen stellt zwei der ehemaligen Mönchsklausen Künstlerinnen und Künstlern, Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für stille Tätigkeiten zur Verfügung. 

Oktober 2018

Ein magischer Ort
2018 ist für mich ein Jahr des Umbruchs: ein Lebensabschnitt endet, ein neuer beginnt.
Es stehen Abschiede, Wandel und Neubeginne an, vieles wird sich verändern, vieles wird aber auch gleich bleiben. Diesen Übergang wollte ich zelebrieren mit einer einmonatigen Retraite, die mir die Gelegenheit geben würde, mich intensiv mit der Veränderung auseinander-zusetzen, zurück und voraus zu schauen, und gleichzeitig der einen Konstante in meinem Alltag, für eine begrenzte Zeitspanne, uneingeschränkten Raum zu geben, indem ich mich vier Wochen lang, ausschliesslich auf mein künstlerisches Schaffen konzentriere.
Ich hätte mir für diese Retraite keinen besseren Ort aussuchen können als die Kartause Ittingen. Eine Insel eingebettet in wunderschöner Landschaft, ein Ort voller Lebendigkeit im hier und jetzt und gleichzeitig voller Stille und Besinnlichkeit in den ehrwürdigen alten Mauern. Ein Ort der Ruhe und Kraft, für mich ein magischer Ort.
Ich habe hier bei herrlichstem Herbstwetter vier wunderbare, arbeitsintensive, meditative, erholsame und bereichernde Wochen verbracht.
Vielen Dank, dass ich hier sein durfte!
Cécile Trentini



September 2018

Meine Seele ist gefüllt mit schönen Bildern.
Es sind Bilder von einem goldenen Herbst, Streifzügen durch die Natur, Blumen und Pflanzen, Ruhe und Stille.
Vom ersten Moment an, fühlte ich mich in der Kartause wohl und geborgen. Alles war da.
Drei Wochen konnte ich mich konzentriert in meine Arbeit versenken und aus den alten Klostermauern stiegen neue Impulse.
Ueli Hofer
"Paradies zwischen Himmel und Erde" geschnitten in der Klause (September 2018)

Juli / August 2018

Wenn ich an den letzten Sommer denke ...
Wenn ich an den letzten Sommer denke, höre ich Sprenkelanlagen und Wasser auf große Blätter regnen wie auf Dächer von Zirkuszelten.
Wenn ich an den letzten Sommer denke, sehe ich vergilbtes Gras und Äpfel, die viel zu früh aus den Kronen der Bäume auf den Boden gefallen sind und ich rieche diesen Duft, der aus Hunderten von Äpfeln strömt.
Wenn ich an den letzten Sommer denke, blicke ich unter Wasser gegen grünes Wasser. Ich tauche und kühle meinen erhitzten Kopf. Davor bin ich stundenlang auf dem Fahrrad durch die Hitze gefahren.
Wenn ich an den letzten Sommer denke, liege ich in einem Zimmer in einem Bett und blicke gegen Holzbalken. Es ist so still, dass ich es beinahe nicht fassen kann. Manchmal glaube ich in der Stille sogar das ferne Sirren von Mücken zu hören. Aber da sind keine Mücken. Es ist nur das Sirren der Stille und das Rauschen meines eigenen Blutes.
Wenn ich an den letzten Sommer denke, sitze ich vor meiner Klause Nummer fünf in der Kartause Ittingen und esse zu Abend. Rösti mit Tomaten und Käse. Vorne sehe ich den Weinberg und die Kirche. Die Sonne steht tief und der Mann von der Sicherheitsfirma geht vorbei. Er grüßt mich. Wir kennen einander schon seit Wochen.
Wenn ich an den letzten Sommer denke, wache ich morgens auf und blicke gegen die blauen Vorhänge, die etwas zur kurz sind. Dort, wo der Stoff der Vorhänge aufhört, leuchtet die Sonne ins Zimmer. Draußen hat wieder ein wolkenloser heißer Tag begonnen. So wie gestern, vorgestern und letzte Woche. In meiner Erinnerung war der letzte Sommer ein einziger blauer Himmel. Und immer wieder sage ich mir: Das war vermutlich der schönste Sommer meines Lebens ...
Jürgen-Thomas Ernst

Juni / Juli 2018

Welch ein fantastischer Sommeranfang. Dem Loblied meiner Vorgängerinnen und Vorgänger über diesen Kraftort schliesse ich mich schweigend an.
Sechs Wochen, wann immer ich will, schweigen, schweigend arbeiten, schweigend lesen, schweigend meinem Rhythmus folgen, schweigend zuhören, schweigend innerwärts lachen, schweigend DASEIN. Noch nie habe ich so viel und so bewusst geschwiegen.
Es war nicht immer still, mein Schweigen, doch wenn sich das Schweigen und die Stille getroffen haben, war es unbeschreiblich. Ich konnte ES zeichnen, mein DASEIN, viel, viel zeichnen. Auch meine AUSgezeichnete Bibel ist nun für die Öffentlichkeit bereit, Freude herrscht. Info: www.carmencabert.ch
Dankbar für diesen kraftvollen Atelieraufenthalt, für die Freiheit des Schweigens und des Daseins, bin ich der Stiftung der Kartause und all meinen liebevollen Begleitern auf meinem Weg, im Diesseits, im Jenseits und im Überseits.
Herzlich und bis bald, Carmen Cabert








März/April 2018

Vom 26. März bis zum 21. April habe ich in der Künstlerklause IV gewohnt. Als Bildhauerin arbeite ich gerne mit textilem Material und so habe ich einen Vorrat an unterschiedlichen Hanfschnüren, Kupferdraht und ein paar begonnene Arbeiten mitgebracht, um in der ruhigen und konzentrierten Athmosphäre der Klause neue Formen zu entwickeln.
Durch die Abwesenheit von Autolärm, Fernsehen, Radio und Computer - ich hatte nur ein Smartphone dabei - war ich ganz auf mich und meine unmittelbare Umgebung angewiesen. Es war erstaunlich, wie intensiv ich dadurch alle meine Handlungen, die Klause von 1621 und die Natur erlebt habe. In den eindrucksvollen Gartenanlagen konnte ich Tag für Tag das Wachsen und Blühen der Pflanzen beobachten und mir fiel auf, wieviele verschiedene Vogelarten dort zu Hause sind.
Durch meinen Namen hatte ich immer schon ein besonderes Verhältnis zu Schafen. Auf der Weide im Hof waren bei meiner Ankunft fünf Engadiner Schafe. Auf einmal kamen Zwillingslämmer auf die Welt, dann noch zweimal Zwillinge und zweimal einzelne Lämmer, so dass es am 13. April 13 Schafe waren!
Die intensive Zeit in der Kartause Ittingen hat mich auf jeden Fall verändert und ich bin gespannt darauf, wie das in meinen Skulpturen sichtbar werden wird.
Heike Schaefer

Instagram: heike_schaefer_sculpture




November / Dezember 2017

Vom Glück, in der Mönchsklause zu wohnen
Meine vier Wochen in der Klause, was für ein Geschenk, was für ein Zauber, eingehüllt in so wohltuende Einfachheit und Stille. Die Tage verstrichen in Zeitlosigkeit und schreibend bis in die Nacht hinein, mitten im Projekt und doch so weit weg vom Alltag mit seinen Gewohnheiten. Alles, aber auch alles hat dazu beigetragen, dass ich eine kreative, arbeitsame und gleichzeitig wunderbar entspannte Zeit erleben durfte. 
Die neblig-mystische Novemberstimmung hat meinen Blick ganz nach innen richten lassen, perfekt für mein Buch über Klöster. Ganz den Regeln der Kartäuser folgend, breitete sich ein grosses Schweigen aus. Ah, was für ein Jubel... Jeden Morgen das Spiel mit dem Feuer, damit es lodert im smaragdgrünen Kachelofen, der eine so wohlige Wärme bereitet. Dann der rituale Gang zum Thymianlabyrinth, meine Mitte findend. Oder in den Ittinger Wald. Oder in den "Raum der Stille" - mit seiner so gründlichen Stille. 
Jeden Tag aufs Neue habe ich mich inspirieren lassen von dem Reichtum hier, bin durch die jetzt schlafenden Gärten mäandert oder im Museum verschwunden...hinter den wunderbaren Bildern von Adolf Dietrich oder in der verstummten Bibliothek, oder fasziniert eingetaucht in die himmlisch übermütige Barockzeit oder in die radikale Welt der Kartäuser. 
All dies schliesse ich sorgsam in mein Herztuch ein und hüte es. Ich werde es brauchen können, wenn der Wind des Alltags wieder rauer weht, für kältere Tage. Noch ein Kerzlein anzünden am 1. Advent 2017, noch eine Vollmondnacht, noch einmal Feuer machen. Die Koffer sind gepackt... voller Glück, ein bisschen Wehmut ist auch drin. Im Gepäck auch all die Gespräche, das Lachen, die Freude mit den herzlichen Menschen, die mir hier und dort begegnet sind. 
Das Wahre, Schöne, Gute, so nah ist es hier - so sehr habe ich es genossen. 
Merci vielmals! Bis zum nächsten Mal...
Von Herzen alles Gute.  K.B

Oktober 2017

Ja - voller Spannung und Neugierde habe ich meinen Aufenthalt in der Klause begonnen! Eine Atmosphäre, erfüllt von Ruhe und Stille, ein langer Tisch und ein Holzofen haben mich empfangen und Erinnerungen an meine Kindheit geweckt. 
Und es tat gut, das Holz zu schleppen, die Treppen hoch, urchig war angesagt! Und erst noch das knisternde Feuer - die Stimmung einer anderen Welt hat mich eingeholt. 
Das Glöckchen, wie es läutete zu den Gebetszeiten: Es klang heimelig, hell und warm. Der wunderschöne Kachelofen lud mich ein, anzulehnen, mich zurück zu versetzen in die Stube der Kindheit bei den Grosseltern. Auch das Frieren und Zähneklappern der ersten Nächte: Schnell entdeckte ich die wohlige Freude für eine Bettflasche. 
Ich habe über den Lebenskontext der Kartäuser nachgedacht. Vieles davon lässt sich in unsere Welt übertragen, könnte ermuntern zu mehr Stille im Alltag.
Ganz wichtig war, alte verstaubte Kontexte loszulassen. Manchmal mit ein paar vertrockneten Tränen, etwas Wehmut, aber der Überzeugung: Das Leben wird rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt. 
Ich habe sie genossen, die Stille, den Blick aus dem Fenster, durch die Rosenbüsche und ich habe fotografiert, geschrieben, Bilder gemalt. Ein Buch mit Texten und Bildern zur Klause V kann bei mir bestellt werden und meine Bilder und Fotos warten nun auf eine Gelegenheit, in einer Ausstellung präsentiert zu werden. 
Danke von Herzen für diese grosse Chance!
Ida Herzig-Graf

September / Oktober 2017

Als ich am 1. September mein Atelier-Häuschen bezog, fing es abends an zu schütten und zu stürmen. Ein völlig durchnässter Marder sprang aus der tiefschwarzen Dunkelheit des Gartens aufs Fensterbrett und starrte mit grossen, nassen Augen durch die Glasscheibe in das Licht der kleinen Tischlampe. Am liebsten hätte ich ihn reingelassen...Statt dessen suchte mich nachts ein Schwarm Mücken heim, ich tat kein Auge zu.
Am Morgen aber wurde alles gut: Ich packte Skizzenbücher, Stifte und Pinsel ein und zog über den Seerücken, hielt überall an, um Kühe, Schafe, Schweine in der herbstlichen Landschaft zu zeichnen. Fuhr weiter an den Schweizer Untersee: Mammern, Steckborn, Berlingen, Ermatingen, Gottlieben.
Überall habe ich meinen Schemel aufgeklappt und Stunden, Tage, ganze 6 Wochen lang "meine" Landschaft am See zeichnerisch erforscht. Zwischendurch habe ich meinen Eindrücken am Zeichentisch in der Atelier-Klause nachgespürt.
Mitte Oktober dann, konnte ich - mit viel Wehmut im Herzen - jedoch glücklich und erfüllt vom wunderschönen Aufenthalt in Ittingen mit einem reichen Zeichen-Schatz nach Hause fahren und ins druckgrafische Atelier, wo viele Radierungen zu meiner See-Landschaft entstehen sollen.
Mit sehr herzlichem Dank
Susanne Smajic
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August 2017

Der Gang ins Kloster also. Kein August in fernen Gefilden, keine Südostasienreise, kein Islandroadtrip, sondern ein einmonatiger Aufenthalt in einer ehemaligen Kartause. Weder in New York, Berlin oder Tokyo, sondern - Schockschwerenot!- im Thurgau.
Als mich der Abwart durch die Klause führte - grüner Kachelofen, Holzboden, Holztisch, einglasige Fenster, dicke Mauern - befand ich mich in einer Zwischenpause, wie es sie nur einmal im Leben gibt. Mein Erstling Das Fleisch der Welt war noch nicht erschienen, sondern liess noch einige Wochen auf sich warten. So war ich zugleich Autor und Nicht-Autor. Eine seltsame Situation, die ich nutzen wollte, im Stillen Entwürfe zu einem neuen Projekt anzufertigen.
Anfänglich blieben das Gebäude und ich in repektvollem Abstand. Die mönchische Atmosphäre war ungewohnt. Denn auch wenn das Kloster bereits 1848 geschlossen wurde, um die kantonalen Kassen aufzubessern: die Klause schien weiterhin aufgeladen von der jahrhundertelangen Konzentration auf eine inzwischen verloren gegangene geistige Welt. Die Klause steht schon lange da und sie wird auch noch dastehen, wenn man längst unter der Erde liegt. Klar, will sie Respekt. Klar, will sie einwenig Unterwerfung. Hat man sich einmal unterworfen, kann die Arbeit beginnen. 
Mein Versuch, mich in mönchischer Disziplin zu üben, scheiterte zwar - statt wie geplant um fünf Uhr aufzustehen, schlief ich bis neun oder zehn - doch gelang es mir dennoch, Tag für Tag zu schreiben. Nach vier Wochen hatte ich einen rund 65-seitigen Entwurf zusammen. Damit bin ich ziemlich zufrieden. Und nicht nur das. Auch ein Stück Stille habe ich mitgenommen und kann darauf zurückgreifen, wenn ich sie brauche. 
Weitere Eindrücke, die bleiben: Das Plätschern des Brunnens im Grossen Kreuzgarten, das man, wenn gerade keine Besucher da sind, ganz für sich hat. Die Veränderungen des Himmels vor dem Schreibtischfenster - rundherum Grün, darüber Wolken, gebundenes Himmelswasser, die teils wie Kühe auf einer Wiese liegen, um sich Stunden später bedrohlich aufzutürmen.
Das Licht am Abend, das die Hügel am Ende des Horizonts blau erscheinen lässt. Das ist übrigens die Stunde der Igel. Einer durchquerte jeden Abend den Garten und rollte sich zusammen, als ich ihn begrüssen wollte. Die drei Milane, die über dem Gelände kreisen. Das Zirpen der Grillen zum Zeichen, dass die Nacht angefangen hat. Das schwarze Eichhörnchen, das so tut, als gehöre das Gelände ihm allein. Un die Schafe, die um den "Loop" grasen und sich mit jedem, der vorbei will, ein Wettstarren liefern. 
Ich danke der Kartause Ittingen für die Gelegenheit zu Stille und Konzentration. Sehr gerne komme ich wieder. Wenn nicht als "Writer in Residence", dann zumindest als Besucher. 
Adam Schwarz,
Schriftsteller
"Das Fleisch der Welt" ist inzwischen im Zytglogge Verlag (Basel) erschienen / Foto: Iris Meier.

Juni / Juli 2017

Als ich im letzten Herbst die Zusage erhielt, sechs Wochen lang in einer der Mönchsklausen in der Kartause Ittingen als "Writer in Residence" wohnen und arbeiten zu dürfen, war meine Freude gross. Ich befand mich gerade mitten in der Erstfassung des Psychothrillers Schockfrost, den ich zusammen mit meiner Autorenkollegin Petra Ivanov schrieb. Im Juni / Juli, wenn mein Künstleraufenthalt stattfände, so rechnete ich damals aus, würde ich an der Überarbeitung des Manuskriptes sein. Und genau so war es. Das Schreiben eines Buches ist weniger ein Warten auf den berühmten Musenkuss, sondern verlangt Disziplin, Hingabe und Herzblut. Und ein ruhiger, grüner Ort wie die Kartause Ittingen trägt sicherlich das Seine dazu bei, dass die Worte nur so fliessen!
Dazwischen habe ich immer wieder erfrischende Waldspaziergänge genossen, an würzigen Kräutern im Klostergarten geschnuppert, mir in der Küche der Klause feine vegetarische Gerichte gekocht und mir ab und zu ein Essen im Restaurant Mühle gegönnt, das jedesmal ausgezeichnet war. Mehrmals besuchte ich das Klostermuseum und stellte mir vor, wie die Mönche hier gelebt hatten.
Die sechs Wochen sind sehr schnell vorbeigegangen.
Die Überarbeitung von Schockfrost ist nun beendet, das Lektorat auch, bald geht das Buch in Druck. Es ist meine 17. Veröffentlichung. Der Thriller erscheint in diesem Herbst im Unionsverlag. Und wie immer, wenn der Schreibprozess abgeschlossen ist, ist da eine Befriedigung nach der Arbeit, eine Wehmut, die liebgewonnenen Figuren loszulassen – und eine Vorfreude auf das physische Buch.
Einen grossen Dank an die Kartause Ittingen für diese Möglichkeit, die ich hier hatte, in der Stille an meiner Geschichte zu arbeiten.
Mitra Devi, Krimiautorin

März 2017

Mein Ashram in Mostindien
Im März 2017 halte ich mich zum dritten Mal im Kartäuserhäuschen auf, um hier in grosser Ruhe ein Projekt auszuarbeiten.
So entstanden 2011 neun Originale zu handschriftlichen Manuskripten des Schriftstellers Gerold Späth. Und andere Werke. 2014 ergaben sich eine Anzahl Objekte aus Holz und Laken, Abfallholz der kartauseeigenen Schreinerei. Zusammen bilden sie eine Installation zum typischen einfachen Leben in der Klause. Nun entstanden drei Masken aus Ton.
Hier gibt es weder Mönche noch Trappisten. Aber, hier finden viele Methoden starken Ausdruck: Achtsame Einsicht, Handwerk, Sprache - alles Kultur.
Im Kunstmuseum Thurgau waren 2011 Videoinstallationen von Marina Abramovic und Roman Signer zu sehen, 2013 der imposante Scheiterturm von Tadashi Kawamata und zurzeit überrascht die ergreifende Installation von Glaser-Kunz im Kellergeschoss des Kunstmuseums. Es geht dabei um Kommunikation.
Geht es nicht auch um Kommunikation, wenn vom Klosterladen Zopf, Milch, Konfitüre aus eigener Produktion genossen, im Restaurant vom eigenen Wein gekostet werden kann und der Weg durch den Garten voller duftender alter Rosenstöcke führt? Selbst die Pferdeäpfel, für deren Düngung verwendet, kommen aus dem eigenen Pferdestall und man ersteht die Kohle vom eigenen Köhler.., an dieser Stelle könnte noch einiges mehr aufgezählt werden, aus jedem Bereich.
Hier wird also genau nachgedacht und hier wird gearbeitet. Vielleicht ist es diese Kombination, die bis in die Künstlerklause hineinwirkt, dieses fröhliche „Beschäftigt sein“, das zusammen zur Harmonie führt.
Dafür danke ich ganz herzlich!
Ursula Hirsch, Bildende Künstlerin

Februar 2017

still-ruhig- mystisch
war es in den ersten Tagen in der Kartause Ittingen. So konnte ich die nötige Ruhe finden um mein kreatives Gnusch zu sortieren. Natürlich hat mich auch das einfache Leben in der Klause 4 wieder auf den Boden gebracht und mir einmal mehr gezeigt, dass weniger mehr ist. Der langsam erwachende Frühling  zog auch mich hinaus, nicht nur die emsigen Gärtnersleute der Kartause. Das Himmelsleiteri hinauf zur Martinskirche, den Weg durch den Wald, beim Chöhlerplatz vorbei, war jedes mal eine wohltuende Runde.
Ich betrachte es als grosses Geschenk, dass ich ein weiteres Mal in dieser kraftvollen Umgebung meiner späterwachten Leidenschaft nachgehen konnte.
Herzlichen Dank der ganzen Belegschaft welche mir immer freundlich und interessiert begegnet sind. 
Marianna Vlieland

Herbst 2016

BRIEF AN EINEN KARTÄUSER
Lieber Unbekannter 
Hier wohntest Du also, in dieser Mönchsklause, die mir als Schreibatelier dient. Ein hübsches Häuschen ist es, mit einem steilen Dach und einem hohen Kamin. Es ist das zweite in einer Reihe von vier. Ein Weg zwischen zwei Hecken führt hierhin. Durchgang verboten, aber das gilt natürlich nicht für uns. 
Der Grundriss hat sich nicht verändert, seit Du gegangen bist, aber ich nutze die Räume nun anders. Dort, wo Du Deine Werkstatt hattest, ist meine Wohnküche. In Deinem Wohnzimmer arbeite ich und im Andachtsraum schlafe ich, übrigens ausgezeichnet, aber nicht im engen Bettschrank wie Du damals. Vom Schreibtisch aus blicke ich auf den Garten und die Bäume beim Weiher. Dahinter erhebt sich der Weinberg mit der Martinskirche auf der Anhöhe. Diese Aussicht kennst Du wahrscheinlich nicht, denn am Ende des Gartens stand früher eine hohe Mauer. So konntest Du Dich besser auf das konzentrieren, wofür Du hier warst. 
Ich habe nicht sofort gesehen, dass die Mönchsklause an den Kreuzgang angeschlossen ist. Vor die entsprechende Verbindungstüre wurde zwischenzeitlich ein Brett gehämmert. Ich kann deshalb Deinen Schritten nicht mehr folgen, die an den Kreuzgärten vorbei zur Kirche führten, mehrmals täglich, auch mitten in der Nacht. Meine einzige Türe verbindet mich mit dem Garten. Und dort steht nun, wie gesagt, keine Mauer mehr, die mich eingrenzen würde. Ich kann gehen, wann ich will. 
Und das tu’ ich oft. Sobald sich der Herbstnebel löst, schnüre ich meine Wanderschuhe und steige die Himmelsleiter hoch. Ja, die Himmelsleiter, die würde Dir bestimmt gefallen. Rund zweihundert steile Stufen führen durch den Rebberg, nicht ganz in den Himmel, aber immerhin zum Wanderweg, zu den Kühen und Feldern, den Seen und Wäldern. 
Manchmal gehe ich frühmorgens in die Kirche und lausche dem Morgengebet. Ich sitze dann in dem für Mönche reservierten Chorgestühl, vielleicht auf Deinem Stammplatz oder Dir gegenüber. Das würde Dich erstaunen, nicht wahr, denn Frauen waren früher nicht zugelassen, auch nicht im hinteren Teil der Kirche, wo Gäste aus dem Dorf sassen. 
Ich denke viel an Dich, jeden Mittag zum Beispiel, wenn mein Magen knurrt und ich auf das Türchen in der Wand schiele. Dahinter versteckt sich eine Durchreiche. Doch auch sie ist nicht mehr in Betrieb. Denn auf der anderen Seite ist kein Laienbruder mehr, der die Mahlzeiten vom Kreuzgang her bereitstellt. Habt ihr euch eigentlich gekannt? Ich weiss, die Durchreiche ist verwinkelt, damit Du mit der Person auf der anderen Seite keinen direkten Kontakt hattest. Aber ist Dir nicht manchmal ein Dankeschön entwischt und hat Dir der Laienbruder daraufhin nicht etwa einen guten Appetit gewünscht und hat sich daraus nicht ein kurzes Gespräch ergeben? Oder hast Du absichtlich gewartet, bis er das Türchen auf der anderen Seite wieder geschlossen hat, bevor Du Deine Mahlzeit genommen hast? 
Wie auch immer, lieber Unbekannter, mein Aufenthalt hier in der Klause neigt sich dem Ende zu. Denn Zeit ist vergänglich, das weisst Du ja. Eure Sonnenuhren an der Fassade erinnern daran. Täglich huscht der Schatten vorbei und wem das noch nicht deutlich genug ist, der sei mit dem aufgemalten Totenschädel daran erinnert. Doch Vergänglichkeit hin oder her, ich nehme nun die Türe zur Aussenwelt, die einzige Türe, die ich kenne, und tauche ein in neue Lebenswelten. In Gedanken nehme ich Dich mit. 
Dankbar fürs Gastrecht, Alexandra von Arx

August 2016

Drei Krähen teilen sich die grosse Linde beim Teich. Eine stösst ihr "Krah-Krah" jeweils viermal hintereinander aus, die zweite tut das nur immer einmal, dann wechselt sie den Baum und bei der Dritten klingt es wie ein trockener Husten. Ich wünschte ich hätte eine Krähe. Sie wäre meine Augen. Sie wäre mein Gefieder. Sie wäre meine Freiheit und ich gäbe ihr all meine Liebe die sie verschmähte. Sie wäre pure Schwärze und schliefe auf meinem Kopf. Sie risse mir jede Nacht ein Haar aus. Sie bliebe bei mir, bis kein Haar mehr meines wäre.
Schnell holt einen hier die Natur ein. Birnen reifen während ich schreibend unter dem Sonnenschirm braun werde. Sternschnuppen verzaubern die Nächte während ich schlaflos auf der kleinen Wiese vor der Klause liege und nach Wünschen fische. Täglich ein Pendel sein, zwischen Eins mit sich, der Ruhe, der Natur, gegenüber dem Ich das einsam in meinem Kopf hängen bleibt.
Fremde Hochzeiten tanzen vorüber, streifen die Hecke der Klause, spähen verstohlen durch die Lücken. Ein Gefühl gleich der Ruhe vor dem Sturme, der jedoch nie kommen wird.
Manchmal gerate ich ins Schwärmen und prahle von der blauen Ringelnatter, die sich auf meinem Fuss sonnte, dem Rotschwanz der zutraulich neben mir auf dem Tisch sass und neugierig zusah wie meine Finger über die Tasten flogen, von der hübschen Maus die täglich ihre Portion Cornflakes bei mir abholte oder von dem rötschen Eichörnli dass sich zu mir auf die Treppe setzte und mich mit schrägem Kopf musterte. Es ist idyllisch hier, ich möchte gar nicht glauben, dass es noch ein anderes Leben gibt. 
Wie schnell die Tage vorübergehen, die Zeit, die verbleibt, zusammenschnurrt. Im Hier und Jetzt sein wieder erlernen, denn eigentlich bewohnt mein Körper zwar die Erde doch in meinem Kopf wandle ich in anderen Welten. Es ist leicht, sich an diesem schönen Ort zu verlieren. Ich sehe, wie die Sonne wandert. Ich bekomme Stress. Der vorletzte Tag hier will genutzt werden. Ich nutze mich an ihm ab. 
Es ist Zeit zu gehen. Tief einatmen. Das Versprechen, wieder zu kommen. Ich packe meine Sachen und lege sie in meinen Kopf. Mein Kopf wird dabei immer voller bis er ganz heiss und chaotisch ist. Ich setzte mich noch einmal auf die Treppe. Die Treppe will auch in meinen Kopf. Sie passt noch hinein. Auch die Cornflakes-Maus findet darin noch ein Örtchen. Für Anderes findet sich kein Platz mehr in meinem Kopf und so wird es hiergelassen werden. Ich bin froh, froh bin ich um die Treppe mit der Morgensonne, die mit mir kommt und froh mache ich mich auf den Weg. 
©Jennifer König, 2016

Die nächste Geschichte
ist nur ein paar Meter weit, gleich hinter der hohen Hecke, die sie von der Stille trennt.
Schritte knirschen auf dem Kiesweg, man versucht herauszuhören, ob da ein alter Mensch geht, der an vielen Orten war, oder ein junger, den es an viele Orte zieht. Eilt er oder lässt er sich Zeit? Geht er gerne, wohin er geht, oder wäre er dankbar, wenn ihm ein Grund zur Umkehr einfiele? Stimmen rutschen durch die Hecke, ein Wort verheddert sich im Gestrüpp, ein Zuruf fliegt wie ein aufgeschreckter Vogel auf und verschwindet im Wäldchen bei den Weinbergen.
Neue Stimmen, man stellt sich ihre Gesichter vor, freut sich über ihre Freude, schmunzelt mit bei ihren Scherzen, bedauert, dass ein paar Silben sich in der Hecke verfangen haben.
Dann geht man ins Haus und will alle Geschichten mitnehmen, die einem zugeflogen sind. Einige rollen ins Gras, man lässt sie liegen, vielleicht sind sie morgen noch da. Und wenn nicht, kann man sich auf andere freuen, sie werden nur ein paar Meter weit sein, gleich hinter der hohen Hecke, die sie von der Stille trennt.
Text © Karl Rühmann / Foto © Franz Noser

APRIL 2016

ES WERDE …... WURDE UND WAR …
Verführerisch ist es, über den Aufenthalt in einem ehemaligen Kloster zu schreiben. Ich ertappe mich dabei, einen gefälschten Schöpfungsbericht aufzusetzen. Der Ort hier hat etwas von all diesem Schöpfen und Werden, von der Vision eines heilen, heilenden Fleckchens Erde. Global.net – klar. Ist`s uralte Sehnsucht nach paradiesischem Zu­stand? Und von dem Individu­alismus als Zeit-Ab-Druck geprägt, der modern ist und scham­los, also Jedem sein eigenes privates Paradies gewährt – das muss so sein, nicht wahr? So will`s das Paradies.
Das gab mir zu denken, ich spitzte die Ohren hinter den dicken und hohen Büschen im Garten bei meiner Klause. Denn ich saß ja nun hier in paradiesischem Verhältnis … und ich bekam einen Eindruck: Nicht nur von diversen Paradies/en, sondern auch von einer scheinbar besonderen Sorte Mensch, die sich eindeutig als »bessere Menschen« hier tummelten und scheinbar vergessen hatten, dass Rest von Menschen, grad nebendran, lebendig tun wollen an einem solchen Ort der Schönheit Natur, den alten Schichten Mauerwerk, dass Rest von Menschen leidenschaftlich sind und springen, hüpfen, singen und sich mit Kies bewerfen wollen … 
dazu fällt mir der Vater ein: Karfreitag war`s, und wir fünf Kinder von 14 abwärts: Jedes Lachen wurde gerügt an diesem Tag, psychologisch vernichtet – fünf Kinder und kein Lachen? Klavier spielte wer was Noten hergab – nix da war mit Klavier spielen. – Welch` Untat. Der Vater schlug den Deckel zu, ein vorwurfs­voll leidender Blick, heut` ist ein Trauertag … so ging`s den ganzen Tag. Und schulfrei war.
Fast bereue ich, meinen gefälschten Schöpfungsbericht nicht beendet zu haben, er wäre locker mir aus der Hand geflossen und wäre auf alle Fälle harmlos geblieben.
©Angelika Rudin 2016 Auszug aus »schnips/krips schimmel« Manuskript unveröffentlicht










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